"Abkassieren"

Wollen Balkanflüchtlinge nur abkassieren?

Der Vorwurf, Flüchtlinge würden in Deutschland nur abkassieren, kann sich nur auf die Monate bis zur Abschiebung beziehen. Bei Asylbewerbern aus dem Westbalkan versucht die zuständige Behörde, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), schnell zu einer Entscheidung zu kommen: 4,7 Monate dauert das Verfahren durchschnittlich bei mazedonischen Flüchtlingen, 4,2 Monate bei Asylbewerbern aus Bosnien und Herzegowina und 2,5 Monate bei Flüchtlingen aus dem Kosovo. (Stand: August 2015)

Während dieser Zeit bekommen sie vom deutschen Staat Unterstützung in Form von Unterkunft und Sachleistungen und einem Taschengeld von 143 Euro pro Monat in bar. Addiert man die Monate bis zur Abschiebung, würde ein Asylbewerber aus dem Kosovo im Schnitt 357,50 Euro Taschengeld mit nach Hause nehmen. Ein mazedonischer Flüchtling bekäme 672,10 Euro, weil sein Verfahren in der Regel länger dauert. Davon müssen beide Ausgaben wie Hygieneartikel oder Bus- und Bahnfahrten in Deutschland tragen.

Die 357,50 Euro innerhalb von zweieinhalb Monaten für einen Flüchtling aus dem Kosovo sind etwa so viel, wie er in seiner Heimat in einem Monat verdienen würde - vorausgesetzt, er hätte dort einen Job. Tatsächlich ist im Kosovo jeder Dritte arbeitslos. Trotzdem: Ob sich die Reise wegen dieses Betrages lohnt, ist fraglich. Zumal oft für Schlepper ein Vielfaches dieses Geldbetrags ausgegeben wird.

Auch der Vorwurf von Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, ein Lehrer aus Albanien bekomme in Deutschland mehr Geld vom Staat als er in seiner Heimat verdiene, stimmt nicht. Laut Bildungsministerium in Tirana verdient ein Lehrer in Albanien umgerechnet zwischen 300 und 500 Euro pro Monat. Also deutlich mehr als die 143 Euro Taschengeld, die er in Deutschland bekäme.

vgl. http://www.tagesschau.de/inland/fluechtlinge-faq-101~_origin-66cc9ddf-db46-4639-b8b1-6aa858e92641.html

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