Bayern ist cool!!

Dass das Bild vom Bayern, der auf alles Fremde mit Ablehnung reagiert, nicht mehr als ein Klischee ist, hat auch Heiko Werner gelernt, der Sonderbeauftragte des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. Der erfahrene Krisenmanager hat in Erding den Bau eines Lagers mit Platz für 5000 Flüchtlinge geleitet.

"Ich habe fest damit gerechnet, mit Tomaten beworfen zu werden", erzählt er. Doch er stellte fest: "Multikulti ist hier selbstverständlich." Im Biergarten eines Wirtshauses in der Innenstadt hängt für alle sichtbar ein Plakat: "Refugees Welcome".

Zehn Festzelte samt Bierbänken, auf denen sonst Menschen in Lederhosen und Dirndl zu Blasmusik schunkeln, stehen auf dem ehemaligen Militärflugplatz bei Erding. Hinzu kommen 18 Flugzeughallen, die zu beheizten Schlaflagern umgebaut wurden.

In der "Wartehalle Asyl", deren Manager Werner ist, kommen täglich bis zu 30 Busse mit Flüchtlingen an. Es sind Menschen, die in den Lagern rund um Passau keinen Platz gefunden haben. Viele Familien mit Kindern sind darunter. Sie bekommen zu essen, warme Kleidung, eine notfallmedizinische Betreuung - bevor sie am nächsten Tag auf Erstaufnahme-Einrichtungen in ganz Deutschland verteilt werden.

Werner und sein Team vollbringen menschliche und logistische Meisterleistungen am Fließband.

Soldaten übernehmen die Vorregistrierung der Neuankömmlinge, Gebirgsjäger aus der Kaserne in Bad Reichenhall organisieren die Belegung der Schlaflager. Es gibt einen Kiosk, in dem die Flüchtlinge SIM-Karten und Zigaretten kaufen können, eine Ladestation für Handys, sogar Kinderzahnpasta steht bereit. Die Atmosphäre im Camp ist entspannt.

Eigentlich, so Werner, gebe es im Landkreis nur eine einzige Person, die für schlechte Laune sorge: der CSU-Landrat. Martin Bayerstorfer jammerte erst kürzlich bei Maybrit Illner über die Belastungen für seinen Landkreis: die vielen minderjährige Flüchtlinge, die überlasteten Jugendamtsmitarbeiter, der fehlende Zwang zur Registrierung! Die Behörden wüssten gar nicht, wer da quer durch seinen Landkreis spaziere!

Wer Ausländer auf dem Weg zur S-Bahn als gefährlich einstufe, muss in einer sehr heilen Welt leben, sagt Camp-Leiter Werner. Bayerstorfers Bedenken beruhten nicht auf Tatsachen, sondern einem "Willen zur Verschlechterung". "Während wir hier gemeinsam Lösungen finden, sucht der Landrat nach Problemen."

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bayern-umgang-mit-fluechtlingen-ist-eine-meisterleistung-a-1064279.html

28.11.

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